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Tagebuch

Spurensuche

Geschrieben von Uli Schilf am 13.05.2011
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Nach den Beratungen im Studierendenparlament der FernUniversität begab ich mich auf Spurensuche.

Von 1952-1955 wohnte ich bei meiner Patentante und ihrem Mann in Hohenlimburg, einem kleinen Städtchen an der Schwelle vom Ruhrgebiet zum Sauerland, das heute zu Hagen gehört. Seit dieser Zeit war ich niemals mehr dort gewesen. Bewaffnet mit einem Zettel, auf dem die Straße (Ostfeldstraße) und die ungefähre Hausnummer (15 oder 17) standen, machte ich mich auf den Weg. Von der Bildungsherberge in Hagen führte eine Buslinie nach Hohenlimburg Bahnhof. Ich fragte den Busfahrer nach der Ostfeldstraße und er erklärte mir den Weg. Ich marschierte los, hielt mich aber nicht an die Anweisungen des Busfahrers, der mir riet, nach dem Passieren des Krankenhauses Elsay in die Lindenstraße abzubiegen. Es gab dort keine Lindenstraße, aber eine Lindenbergstraße. So ignorierte ich diese und wanderte weiter geradeaus. Es ging immer bergan. Zwischendurch fing es zu regnen an und ich stellte mich unter einen Baum mit einem breiten Blätterdach. Ab und zu fragte ich mehrere Passanten nach der Ostfeldstraße. Alle rieten mir, den bereits eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Erst als ich das Ortsausgangsschild von Hohenlimburg passierte wurde mir klar, dass ich auf der falschen Fährte war. Ich kam zwar zu einem Ostfeld-Sportplatz, aber das war erkennbar nicht "meine" Straße. Meine Füße und meine Muskeln schmerzten, war ich doch solche langen Märsche und dann noch bergan nicht mehr gewöhnt. Ich wollte umkehren und mit dem Bus zurückfahren. An der Bushaltestelle traf ich auf 2 ältere Damen. Sie konnten mir auch nicht weiterhelfen. Ich beschloss, wieder zum Krankenhaus Elsay zurückzufahren und nun dem Ratschlag des Busfahrers folgend, in die Lindenbergstraße einzubiegen. Eine der Damen bot mir an, auf ihrem "Partnerticket" kostenlos mit ihr zu fahren. "Sie gehören eben zu mir", sagte sie. Ich fand das ausgesprochen nett und stieg mit in den Bus. Dabei erfuhr ich, dass die Dame mit ihrem Mann seit vielen Jahren nach Grömitz fährt wo sie eine Ferienwohnung besitzt.

Am Krankenhaus Elsay stieg ich aus und bog nun links in die Lindenbergstraße ein. Dort traf ich auf eine Russin, die mir entgegenkam. Ich fragte sie nach der Ostfeldstraße. "Nie gehört", sagte sie, "dabei wohne ich hier schon 30 Jahre." Mit Bedauern wandte sie sich ab und setzte ihren Weg fort. Ich ging etwa 30m weiter und fand... die Ostfeldstraße. Nach 56 Jahren erkannte ich das Haus (Nr.6), in dem eine Tante mit meinen Cousinen damals wohnte, auf Anhieb. Ein paar Schritte weiter bergauf, stieß ich auch auf "mein" Haus (Nr.15), in dem ich 3 glückliche Jahre verbrachte. Viele Erinnerungen kamen plötzlich wieder, aber einiges musste ich auch korrigieren, weil es sich mit anderen Darstellungen wohl vermischt hatte.

Es war auf jeden Fall ein spannender Nachmittag, an dem ich ein weiteres Mosaiksteinchen aus meinem Leben wiederfand.


An der Lenne in Hohenlimburg


Ostfeldstraße 15. Im Erdgeschoss habe ich gewohnt.

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