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BRD - Bananenrepublik Deutschland?

Geschrieben von Uli Schilf am 05.03.2009
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Bisher habe ich mich mit Kritik an der Politik zurückgehalten. Vielleicht habe ich - wie so viele - gedacht, das ist Privatsache. Aber so langsam fehlen mir wirklich die Worte.

Da wird einer Kassiererin in Berlin wegen 1,32 € der Arbeitsplatz gekündigt und deutsche Arbeitsgerichte geben dem Arbeitgeber - einem Discounter Recht. Die hochmögende Richterschaft kritisiert den Bundestagsvizepräsidenten Thierse wegen seiner Kritik am Urteil. Wenige Tage danach kündigt der thüringische Ministerpräsident seine erneute Kandidatur bei den Landtagswahlen an, obwohl er gerade gestern von einem österreichischen Gericht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wurde. Die eine hat - unbewiesen - 1,32 € veruntreut, der andere hat ein Menschenleben auf dem Gewissen. Wo leben wir denn? 

Eine andere Baustelle: Große Unternehmen beklagen die angeblich "hohe Steuerlast auf Unternehmensgewinne" und drohen mit der Produktionsverlagerung ins Ausland (oder praktizieren das sogar - siehe Nokia). Die Verluste wollen sie aber gerne verstaatlichen. Für die Zockerei einiger Manager sollen wir Steuerzahler und unsere Nachkommen geradestehen. Wo leben wir denn? 

Hier oben im Norden gibt es eine Bank, die offenbar den Pfad der Tugend verlassen und Geschäfte getätigt hat, die nicht zu ihren Kernaufgaben gehörten. Jetzt braucht sie Geld vom Staat (also von uns!), zahlt aber einigen "wichtigen" Aktionären eine Dividende. Aufsichtsratsmitglieder (Politiker), die über die Zukunft der Bank (und über die Verwendung unserer Steuergelder) zu entscheiden haben, kommen ins Gerede, weil sie angeblich günstige Kredite von eben dieser Bank erhalten haben. Wo leben wir denn? 

Im Herbst sind Bundestagswahlen. Ich weiß jetzt schon, dass ich die Protagonisten einer Bananenrepublik nicht wählen werde. Aber ändert das etwas?

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