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Tagebuch

Abenteuer Deutsche Bahn

Geschrieben von Uli Schilf am 13.05.2011
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Es war ja Freitag, der 13. Mai! Ob es daran lag oder an den mangelnden logistischen Fähigkeiten eines der größten deutschen Unternehmen?

Jedenfalls wollte ich gestern mit der Bahn nach Hagen fahren. Um 13:59 Uhr sollte der Zug von Rendsburg nach Neumünster abgehen. Dort sollte er um 14:28 Uhr ankommen. Um 14:05 Uhr stand ich immer noch in Rendsburg, als der Zugbegleiter die Meldung durchgab, dass sich ein Bus in den Gleisen bei Nortorf festgefahren habe und wir deshalb nicht losfahren konnten. Als es um 14:15 Uhr endlich losging, war klar, dass ich meinen Anschluss nach Hamburg nicht bekommen würde. Auch das Umsteigen in den IC nach Hagen, der Hamburg Hbf. um 15:46 Uhr verlassen sollte, war nicht mehr möglich.

4 Minuten, nachdem mein gebuchter Zug abgefahren war, erreichte ich Hamburg. Eine freundliche Mitarbeiterin der Bahn gab mir die Auskunft, dass der nächste Zug nach Hagen eine Stunde später, also um 16:46 Uhr fahren würde. Allerdings müsste ich in Dortmund umsteigen. Na gut, dachte ich bereits genervt, die Platzreservierung ist weg, aber eine Stunde geht ja noch. Ich trank in einer Bäckerei einen Kakao und setzte mich auf eine Bank am Gleis 14a. Plötzlich erschien der Hinweis, dass der Zug 25 Minuten Verspätung habe, dann 35, anschließend 45 und danach 55 Minuten. Erklärung der inzwischen ebenfalls genervten Serviceleute der Bahn: ein Wagenschaden. Der Zug stehe aber (inzwischen war es 17:35 Uhr) kurz vor Hamburg-Dammtor. Plötzlich hieß es, der Zug fahre nicht auf Gleis 14a ein, sondern auf 11a. Wie die Lemminge machten sich alle auf den Weg. Große Verwirrung, weil dort nun ein Zug nach Stralsund erwartet wurde. Meine Mitpassagiere wurden ebenfalls unruhig. Der einzig Ruhige, aber auch Arrogante war der Mitarbeiter der Bahn auf diesem Gleis. Um 17:41 Uhr fuhr der Zug endlich ab. Bei der Fahrkartenkontrolle fragte ich den Schaffner (heißt der eigentlich noch so?), wie es denn mit meinem Anschluss nach Hagen aussähe, denn ich musste ja nun in Dortmund umsteigen. "Kein Problem", sagte er, "der andere IC, der direkt nach Hagen fährt ist 3 Minuten hinter uns. Den kriegen Sie, weil er auf dem gleichen Bahnsteig hält." Na super, dachte ich.

Kurz vor Osnabrück wurde der Zug immer langsamer. Plötzlich hielt er! Der Zugbegleiter, der sich bereits zuvor mehrfach für die bisherige Verspätung und für die nicht ausreichende Bestückung des Bord-Bistros entschuldigt hatte, entschuldigte sich nun für den erneuten Halt: "Die Lok hat einen Schaden, aber der Lokführer versucht ihn innerhalb der nächsten 5 Minuten zu beheben." Daraus wurden 20 Minuten und der IC, der nur 3 Minuten hinter uns fuhr, überholte uns! Meine Verbindung nach Hagen war damit erneut gestrichen. Der Zugbegleiter verstieg sich zu der Bemerkung: "Das hat er Klasse gemacht, unser Lokführer!" Ich hörte keinen Applaus. In unserem IC verteilte inzwischen eine Bahn-Mitarbeiterin ein Fahrgastrechte-Formular, mit dem man Schadensersatzansprüche geltend machen kann. Außerdem sorgte die ausgefallene Klimanlage für unvermutete Hitzewellen.

Um 21:01 erreichte ich Dortmund, sprintete zum Gleis 20 und erwischte außer Atem und schweißgebadet den Zug nach Hagen.

Inzwischen war es 21:35, als ich Hagen erreichte. Um 18:55 Uhr sollte ich eigentlich ankommen. Ich überlegte nur kurz, ob ich mit dem Bus in die Bildungsherberge der Studierenden an der FernUni fahren sollte. Ich nahm ein Taxi und lernte auf der kurzen Fahrt Sultan Hamid Narwan kennen. Von dem berichte ich morgen.

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