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Tagebuch

18. Februar 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 18.02.2016
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Inzwischen denke ich nur noch von Tag zu Tag. Ich glaube auch, dass es das ist, wohin man kommen muss. Weder macht es Sinn, große Pläne zu schmieden, noch in Verzweiflung zu verharren.

Heute war nun der große Tag der Knochenpunktion. Gestern im Vorgespräch hieß es von der Assistenzärztin, dass man die Punktion im Steißbein durchführen werde. Uns hat das sehr irritiert, weil alle Befunde so aussahen, dass es im Steißbein keine Metastasen gibt. Aber verunsichert, wie man dann so ist, sind wir mit dieser Information nach Hause gefahren. Außerdem sagte uns die Radiologin noch, dass ich nicht im Krankenhaus übernachten müsse, sondern nach spätestens 6 Stunden nach Hause fahren könne, es sei denn, es gebe Komplikationen. Um 07:30 Uhr liefen wir dann im Krankenhaus auf. Die Anmeldeprozedur dauerte nicht lange und um 09:00 Uhr wurde ich dann in den Raum gebeten, in dem die Punktion durchgeführt werden sollte. Ich musste nur den Oberkörper frei machen, Hosenträger und -gürtel abnehmen und ein OP-Hemdchen überstreifen. Dann legte ich mich bäuchlings auf eine Liege, bekam ein bequemes Kopfkissen und wartete auf die beiden behandelnden Ärzte. Der Oberarzt erklärte mir auf meine Nachfrage, dass die Punktion natürlich nicht im Steißbein durchgeführt wird, sondern im Kreuzbein (!). Dann wurde ich örtlich betäubt. Mit Hilfe eines CT (bildgebendes Verfahren) wurde die Stelle festgelegt, an der die Hohlnadel eingeführt werden sollte. Das bedeutete, dass ich immer wieder auf der Liege hin und her gefahren wurde. Als die richtige Stelle gefunden war, wurde die Nadel eingeführt. Inzwischen hatte ich schweißnasse Hände, da mir vorher gesagt wurde, dass es schmerzhaft werden könnte, wenn die Knochenhaut durchstoßen wird. Erst als ich von der Ärztin zwischendurch gefragt wurde, ob es wehgetan habe, merkte ich, dass das Wesentliche schon vorüber war. Mit anderen Worten: Es war nicht schlimm! Dann wurde ich darauf hingewiesen, dass nun ein Klicken zu hören sei, weil nun die Gewebeproben aus dem Knochen (?) entnommen würden. Ich hörte zwar das Klicken, spürte aber auch da keinen Schmerz. Anschließend kam ein Verband auf die Wunde und ich wurde umgebettet. In der Zwischenzeit hatte Jutta die widersprüchlichsten Informationen zum weiteren Vorgehen erhalten. Der Chefarzt der Medizinischen Klinik II war der Meinung, ich müsse einen Tag da bleiben, der MTA meinte, eine Stunde Ruhe würde genügen, während der Radiologe von etwa 3 Stunden ausging. Jutta sollte auch noch ein Formular ausfüllen, mit dem mein stationärer Aufenthalt festgelegt werden sollte. Schließlich einigte man sich auf 13 Uhr als Entlassungszeit. Ob das damit zusammenhing, dass ich zwar Privatpatient bin, aber bei einem stationären Aufenthalt auf sogenannte Wahlleistungen (Chefarzt und 2-Bett-Zimmer) verzichtet habe, kann ich nur vermuten. Schlussendlich verbrachte ich die Zeit in einem Krankenbett auf einem zugigen Flur, weil auf der Station überhaupt kein Bett mehr frei war.

Um 14.30 Uhr waren wir jedenfalls glücklich zu Hause und warten nun auf die Ergebnisse der Gewebeprobe, von denen das weitere Vorgehen abhängig ist. Am kommenden Montag steht mir nur noch eine MRT des Kopfes bevor und dann heißt es weiter warten. So ist dann die bevorstehende Geburtstagsfeier mit der Großfamile ein schöner Termin, der dem "Carpe Diem", von dem ich früher einmal schrieb, sehr nahe kommt.

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