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Tagebuch

02. Januar 2015

Geschrieben von Uli Schilf am 02.01.2015
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Die erste Eintragung im neuen Jahr. Das Warten geht weiter. Jutta hat heute wieder mit dem Dr. Petersen vom UKE telefoniert. Es gibt keine Neuigkeiten. Viele Oberärzte waren im Urlaub und trudeln erst so langsam wieder ein. Er hat uns auf die nächste Woche vertröstet. Dann haben wir ja fast den Zeitpunkt der nächsten Tumor-Konferenz erreicht. Allerdings hat der Dr. Petersen bereits eine Mail an die zuständige Oberärztin aus der Strahlentherapie geschickt, die letztendlich darüber befindet, ob Bestrahlungen nötig sind.

Ich möchte gerne über eine Sache schreiben, die mir sehr am Herzen liegt. Es gibt viele Telefonate und Mails von Verwandten, Freunden und Bekannten, die alle sehr wohlmeinend sind und auch gut tun. Das geht von Äußerungen wie "das sieht doch gar nicht so schlimm aus" oder "es hätte ja auch viel schlimmer kommen können" bis hin zu aufmunternden Bemerkungen wie "du musst ja auch nicht mehr jungen Mädchen zuzwinkern". Ich weiß, dass solche Bemerkungen helfen wollen. Trotzdem gibt es ja auch Eigenwahrnehmungen. Wenn ich morgens (oder auch tagsüber) in den Spiegel schaue, dann finde ich nicht mehr den Uli von vor 4 Wochen. Auch wenn meine Eitelkeit begrenzt ist, machen mir das Aussehen und die eingeschränkten Funktionen zu schaffen. Es ist halt nichts mehr so wie im November 2014. Ich denke schon ganz oft, dass es anderen viel schlechter geht als mir, oder dass manche, die ich kenne, viel zu früh an ihren Krankheiten gestorben sind. Aber ich merke auch, dass ich mehr brauche als Krankengymnastik und ärztliche Begleitung. Gespräche mit Jutta geben mir sehr viel, aber sie müssen ergänzt werden durch professionelle psychologische Hilfe, die ich auch annehmen will.

Ein Teil der Bewältigung leistet für mich auch dieses Tagebuch. Von Anfang an habe ich mich fotografieren lassen - mit Kopfverband oder beim Schreiben dieses Tagebuchs am Notebook. Und so sehe ich heute aus:

Im Internet habe ich eine Anleitung gefunden, die helfen soll, die Gesichtsmimik zu trainieren. Jutta hat sie für mich an unseren Badezimmerschrank gehängt, damit ich diese Übungen vor dem Spiegel trainieren kann.

Mit der gesunden Seite geht das alles, aber die rechte macht natürlich nicht mit. Vielleicht wird das ja noch etwas.

Die Zusammenfassung aus diesem Beitrag ist: Es geht mir psychisch nicht immer gut, aber ich will daran arbeiten, dass es besser wird, und dass ich das wieder sagen kann, was mein Wichtel zu meinem Weihnachtsgeschenk als Überschrift für sein Gedicht gewählt hat "Schön ist es auf der Welt zu sein...".

Heute haben wir wieder gekocht. Es gab eine Pikante Süßkartoffel-Kokosmilch-Suppe mit Chili und Ingwer. Dazu Baguette. Das hat sehr gut geschmeckt. Wir haben noch etwas für morgen und werden das noch ein bisschen verfeinern, z.B. mit Shrimps.

Zum Schluss muss ich noch etwas korrigieren: Jutta hat meinen Sylvesterbeitrag in diesem Tagebuch eben erst gelesen. Sie findet es nicht richtig, dass ich von ihrer "Aufopferungsbereitschaft" geschrieben habe. Sie sieht nicht, dass sie sich aufopfert, sondern für sie ist das was sie tut ganz selbstverständlich.

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