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Tagebuch

29. Mai 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 29.05.2016
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Das ist ein Computer- und Mediensonntag. Ich bin schon stundenlang damit beschäftigt Musik umzuwandeln, Videos hochzuladen usw. Immer wenn ich nicht weiter weiß, rufe ich meinen Freund Uwe in Willingen an oder schreibe ihm eine Mail. Er ist immer so geduldig mit mir.

Gestern Abend waren wir mit Vera und Friedhelm in Bredenbek zu einem Konzert des Dragseth-Trios. Ich habe in meinem gestrigen Tagebucheintrag schon von denen geschwärmt. Es war ein wunderschönes Musikerlebnis. Ich habe mir gleich eine CD dieser nordfriesischen Gruppe gekauft. Nun versuche ich, wenigstens einen Song hier zu präsentieren und auch den Link zu einem Video herzustellen. Bis jetzt ist mir beides noch nicht gelungen. Das Video ist noch die leichteste Übung. Es wird gerade auf Youtube hochgeladen und das dauert 3 Stunden (!). Und das für 7 Minuten Material. Mit der Musikpräsentation kenne ich mich allerdings nicht aus und deshalb dauert das noch ein wenig. Ich nutze die Zeit um Spargel im Backofen garen zu lassen, Kartoffeln zu schälen und vielleicht demnächst auch ein Mittagessen (Spargel mit Schinken und Kartoffeln) auf den Tisch zu bringen. Ich trainiere auf diese Weise meine nicht vorhandenen Multitasking-Fähigkeiten. Unsere kleine Enkelin Liva ist bei uns. Um sie kümmert sich Oma.

So, das Mittagessen ist auch vorbei. Leider ist mir die Saucenschale mit der Sauce Hollandaise auf dem Arbeitstisch in der Küche umgekippt, so dass wir nur noch die Hälfte verwenden konnten. Unsere Enkelin ist inzwischen wieder von ihrem Papa abgeholt worden und unsere neuen Feriengäste sind ebenfalls eingetroffen. Sie berichten von wolkenbruchartigen Regenfällen und Staus auf den Autobahnen. Da haben wir in unserem Angeln heute ja richtig Glück, auch wenn die Sonne sich nur zögerlich zeigt.

Das Video lädt immer noch. Wenn alles gut geht, kann ich es in einer Stunde ins Netz stellen.

Das mit der Stunde war wirklich geprahlt. Jetzt wird mir angezeigt, dass etwa 70% meines Videos geladen wurde, ich aber noch ca. 2 Std. und 30 Minuten Geduld haben muss. Leider klappt das mit dem Song auch noch nicht. Uwe hat zwar schon alles mögliche probiert, aber er läuft bei mir nicht. Es ist jetzt 18.30 Uhr und ich zeige nun erste Ermüdungserscheinungen.

Nun hat Uwe das mit dem Song hingekriegt. Eigentlich müsstet ihr - wenn ihr Interesse habt - das Lied hören können. Es heißt "Öwermorgen", im Original eigentlich "Day after tomorrow" und stammt von Tom Waits und Kathleen Brennan. Die haben das Lied aus der Sicht eines jungen Soldaten geschrieben, den sein Präsident (G.W. Bush) nach der Zerstörung des World-Trade-Centers in den Irak abkommandiert hatte. Kalle Johannsen von Dragseth hat es auf Plattdeutsch nachgedichtet, dabei aber nicht so sehr auf die amerikanische Version abgehoben. Der plattdeutsche Text bezieht sich auch nicht nur auf den Irak-Krieg, sondern bezieht alle Soldaten ein, die irgendwo auf der Welt kämpfen und sterben müssen, weil irgendeine Herrschaft - egal ob Präsident, Kanzler/in, Diktator - Begründungen für den Einsatz von Militär finden.
Da nicht jeder Plattdeutsch versteht, versuche ich eine hochdeutsche Übersetzung:

Übermorgen

Dein Brief kam gestern Morgen und du fehlst mir so sehr, Liebe.
Ich kann nicht abwarten euch alle zu sehen.
Und ich zähle die Tage, Liebe.
Ich halte mich fest, weiß was mich hält
am anderen Ende der Welt.
An uns, meine Liebe, glaube ich,
wenn mir die Sonne scheint, übermorgen.

Das ist so schwer, so lang das Jahr,
das Kommandieren bin ich so leid, Liebe.
Wir wurden betrogen, wurden belogen,
was es bedeutet, hier Soldat zu sein, Liebe.
Für das, was ich fühle, finde ich keine Worte,
bei all dem Blut, das die Erde tränkt.
Ich denke bei mir, ich komme zurück zu dir,
wenn mir die Sonne scheint, übermorgen.

Ich mache die Augen zu, ich finde keine Ruh,
träume mich jede Nacht in deine Arme, Liebe.
Und was mir fehlt, ist das weite Feld,
die grüne Wiese im Blumenkleid.
Und ich sehne mich nach Luv und Lee,
Westwind und rauer See.
Mein Boot wird kommen, segelt in den Hafen,
wenn mir die Sonne scheint, übermorgen.

Und auch die Leute von der anderen Seite
wollen bloß so leben wie wir.
Und sie beten zu Gott im Himmel.
Unser Gott ist derselbe, sie fühlen wie wir.
Und der allein ist es, der entscheidet,
wer hat Glück, wo ist das Leid,
wohin du auch gehst, er hält die Fäden in der Hand,
wenn mir die Sonne scheint, übermorgen.

Wo ist der Wert? Was ist richtig, was verkehrt?
Wofür sollen wir hier streiten, Liebe?
Ich tue es für dich und mich,
und für einen neuen Morgen, Liebe.
Und ich tue, was man mir sagt,
wir sind nur Kies auf dem Weg.
Meine Brücke bist du zurück nach Hause,
wenn mir die Sonne scheint, übermorgen.

Der Sommer geht dahin und bringt am Ende
mit sich die Kälte und den Winterfrost, Liebe.
Und was ich weiß, bei all dem Leid
haben wir verloren, was wir mal waren, Liebe.
Ich bin zwanzig Jahre auf dieser Welt
und ich spare all mein Geld.
Mein Boot wird kommen, segelt in den Hafen,
wenn mir die Sonne scheint, übermorgen.

Hier ist der plattdeutsche Song.

Es ist nicht schlimm, wenn du kein Plattdeutsch kannst. Der Song öffnet sich in einem neuen Fenster und du kannst während des Hörens die Übersetzung ins Hochdeutsche mitlesen. Ich bin ziemlich stolz, weil ich zum ersten Mal einen plattdeutschen Text übersetzt habe. Jutta hat das gegengelesen und ist mit meiner Übersetzung einverstanden.

Seit heute Mittag habe ich ein Video auf Youtube hochgeladen, das einen kleinen Ausschnitt aus dem gestrigen Konzert zeigt. Jetzt, um 21.10 Uhr ist das Ding online. Es gibt noch so ein wenig Geplänkel und die Reste eines englischen Songs vorweg. Das eigentliche Lied heißt: "Wir haben bloß diese Zeit, in der wir sind". Hier könnt ihr es euch anschauen.

 

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