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Tagebuch

18. Juli 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 18.07.2016
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Die lange Schreibpause ist mir fast schon peinlich, aber es gibt mindestens zwei Gründe: Erstens war ich für 9 Tage im Krankenhaus und zweitens hatte ich danach wenig Lust zum Schreiben. Aber natürlich ist es so, dass sich auch eine Menge ereignet und der Schreibberg wird immer größer. Der soll dann auch abgearbeitet werden und da kommt dann die Unlust ins Spiel. Ich versuche aber, so kurz wie möglich die mich bewegenden Informationen weiterzugeben.#

Jutta hatte am 27.6. Geburtstag und ich lud sie aus diesem Grund zu einer Tagesfahrt nach Helgoland ein. Obwohl sie Schleswig-Holsteinerin ist und ich fast 3/4 meines Lebens im Norden verbracht habe, waren wir noch nie dort. Es war auch ein wunderschöner Tag mit recht stürmischer Über- und Rückfahrt. Wir haben es aber ohne Seekrankheit überstanden.


Spucktüten haben wir nicht benötigt.


Die "lange Anna"

In der Nacht bekam ich plötzlich Fieber und Schüttelfrost - ich glaube, es gab kein Gelenk und keinen Knochen, das oder der nicht klapperte. Das hielt dann an und Jutta rief unseren Hausarzt an. Der kam, horchte mich ab, bestimmte die Sauerstoffsättigung und rief einen Krankenwagen, der mich nach Flensburg in die Notaufnahme der DIAKO brachte. Dort wurde mir Blut abgenommen, Fieber gemessen, EKG gemacht, Blutdruck bestimmt, Sauerstoffsättigung gemessen und dann wurde ich mit der Diagnose "rechtsseitige Lungenentzündung" in das Malteser-Hospital verfrachtet. Natürlich wieder mit einem Rettungswagen. Dort wurde mir erneut Blut abgenommen, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Fieber gemessen (warum wohl?) und anschließend wurde ich auf ein 4-Bett-Zimmer verfrachtet. Dort war ich zunächst alleine, was sich aber im Laufe des nächsten Tages schnell änderte.

Ursprünglich hatte ich vor, meine Erlebnisse in diesem Krankenhaus detailliert aufzuschreiben, vor allem weil ich sehr wütend über die mangelnde Kompetenz einiger Pfleger, Schwestern und Ärzte war. Aber erstens betraf das nicht alle und zweitens verrauchen dann die Negativerlebnisse mit der Zeit. Aber ein Beispiel für mangelnde Kompetenz will ich dann doch geben: Alle 28 Tage erhalte ich eine Spritze, die dem Knochenaufbau dienen soll. Alle 3 Monate bekomme ich eine Depotspritze (Antihormontherapie), die die Ausbreitung der Metastasen stoppen soll. Beide Spritzen waren nun fällig während meines Krankenhausaufenthaltes. Schwester C. kam auch und gab mir die monatliche Spritze, weigerte sich aber die Depotspritze zu geben: "Da steche ich Ihnen ja ein Loch in den Bauch. Das muss ich erst einmal mit den Ärzten besprechen." Sprachs und verschwand. Inzwischen wurde ich zum Röntgen der Lunge gebracht. Nach meiner Rückkehr fragte ich nach dem Verbleib von Schwester C. "Die ist beim Frühstück", hieß es, "aber sie hat wohl schon mit den Ärzten gesprochen." Kurz nach 11 Uhr kam Frau Dr. M. zur Visite: "Wir haben uns vielleicht erschrocken", sagte sie. Ich vermutete nun schon eine Verschlimmerung der Befunde. "So eine Spritze haben wir hier noch nie gegeben." Ich wies sie darauf hin, dass mein Hausarzt mit großem Erfolg diese Spritze bei mir gesetzt habe und auch die Leute in der ein Stockwerk tiefer gelegenen Onkologischen Tagesklinik Erfahrungen mit diesen Implantatsspritzen haben. Frau Dr. M. setzt sich nun auf meine Bettkante, kramte den Beipackzettel der Spritze hervor und begann laut die Bedienungsanleitung vozulesen. Ih könnt euch vorstellen, dass mir ganz komisch zumute wurde. Was, wenn sie nun alles falsch macht? "Also, die Spritze muss bis zum Anschlag parallel zur Haut subkutan gesetzt werden", las sie vor. Dann fing sie an: "Tut das weh?". "Nein!". "Sie sind aber tapfer." Nach weiterem Stechen rief sie plötzlich: "Da fließt Blut! Ich brauche einen Tupfer." Bevor der Pfleger ihr assistieren konnte, entdeckte sie auf meinem Nachtisch ein Tempotaschentuch - natürlich nicht steril - und stoppte den Blutstrom. "Sie sind wirklich tapfer", wiederholte sie. Meine Bemerkung, dass mein Hautarzt diese Spritze auch ohne Blutvergießen setzt, kommentierte sie mit: "Ja, die sind da auch erfahrener".

Wie gesagt: Ich habe keine Lust, alle negativen Erlebnisse hier zu schildern. Es gibt da so einiges, was man berichten könnte. Grund zur Freude hatte ich dann am 6. Juli. Da wurde ich entlassen mit der Maßgabe, mich noch weiter zu schonen. Was war ich froh, wieder zu Hause zu sein. Die negativen Erlebnisse in diesem Krankenhaus haben mich zu der Äußerung versteigen lassen, dass ich nicht mal zum Sterben in diese Klinik will.

Es gab aber auch schöne Zeiten. Meine Schwester mit ihrem Partner war bis zum vergangenen Montag mit dem Schiff in Langballigau. Auch unsere Freunde Erika und Uwe bleiben noch bis morgen. Jutta hat ganz viel für die Deko in unserem Garten gemacht und mir das Rasenmähen abgenommen.


Juttas neues Hobby


Unsere neuen Mitbewohner

Einen unangenehmen Termin hatte ich dann noch am 11. Juli. Ich musste zum MRT der Wirbelsäule und der Hüften in die DIAKO. Fast eine Stunde lag ich bewegungslos in der Röhre. Am 15. Juli waren wir dann zur Besprechung in der onkologischen Tagesklinik. Eine Ärztin teilte uns mit, dass man eine weitere Metastase am Ende des LWK 5 und am Beginn des Kreuzbeins entdeckt hatte. Sie gab einige Verhaltensregeln mit auf den Weg: keine unkontrollierten Bewegungen, keine Yoga-Übungen, nicht schwer heben und tragen usw. Allerdings darf ich schwimmen. Aufpassen muss ich auf das linke Bein. Sollten sich dort Lähmungserscheinungen zeigen (Kribbeln usw.), muss ich mich sofort melden. Dann wäre über eine großflächige Operation der Wirbelsäule nachzudenken. Nun hoffe ich, dass es nicht soweit kommt.

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