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Tagebuch

11. April 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 11.04.2016
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Heute muss ich wieder in die Onkologische Tagesklinik nach Flensburg. Die beiden Spritzen, die ich alle 4 Wochen bekomme, sind heute zum zweiten Mal fällig.

Manchmal fällt mir das Tagebuchschreiben schwer. Das liegt nicht unbedingt an mangelnden Ereignissen, sondern hat auch etwas mit meiner ganz persönlichen Befindlichkeit zu tun. Obwohl ich mich entschieden habe, eine gewisse Öffentlichkeit herzustellen, in dem ich im Internet mein Tagebuch führe, gibt es doch die ein oder andere Schreibblockade. Mir ist es aber wichtig, so offen wie möglich zu kommunizieren, wie es mir geht. Was ich feststelle, ist, dass sich seit der Krebsdiagnose mein Denken verändert hat. Es ist nicht nur so, dass ich nicht mehr lange im Voraus plane, sondern bestimmte Vorhaben zeitnah durchführe ohne langes Nachdenken; es ist auch so, dass sich in mein Denken die Frage „Wie lange noch?“ eingeschlichen hat. Auch wenn ich optimistisch sein will, kann ich nicht verhindern, dass diese Frage nahezu täglich im Raum steht. Bestimmt hat das auch mit den zunehmenden Schmerzen zu tun. Vielleicht habe ich in die Bestrahlung und die Therapie zu viele Erwartungen gesteckt. Hinzu kommen dann auch Träume, die sich um das baldige Ableben drehen und mich nachts aufwachen lassen. Meistens gehe ich einigermaßen sachlich mit diesen Gedanken um, aber es gibt eben auch Phasen, in denen ich niedergedrückt oder einfach nur traurig bin. Ich merke auch, dass es mir guttut, mit anderen Menschen zusammen zu sein und nicht nur über die Krankheit zu reden, auch wenn häufig das Gespräch dann doch darauf gelenkt wird. Aber gestern waren wir z.B. bei den Kindern zum Kaffee und haben über deren Urlaub auf Rügen geredet. Mir hat das gutgetan. Auch die Anwesenheit unserer Freunde Barbara und Axel am vorvergangenen Wochenende war eine wohltuende Abwechslung. Am vergangenen Donnerstag waren wir im Nachbarort und haben dem Singer und Songwriter Martin D. Winter zugehört, den wir schon einmal im November des letzten Jahres gehört und gesehen haben. Morgen kommen meine Schwester mit Günther und unseren Freunden Erika und Uwe zu uns. Auch darauf freue ich mich.

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