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Tagebuch

10. Mai 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 10.05.2016
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Seitdem wir von der Kreuzfahrt zurück sind, ist uns auch der Wettergott in Langballig hold. Ich genieße die Sonne und die Wärme. Oft gehe ich in den Garten oder vor unser Haus und schaue mir an, wie alles wächst. Manchmal denke ich dann darüber nach, wie oft ich das wohl noch genießen kann und wünsche mir, dass das noch möglichst oft der Fall ist.

Meine Schmerzen sind während der Kreuzfahrt zurückgegangen. Ich trage zwar immer noch zwei Schmerzpflaster und mein Arzt meinte heute, dass ich das auch weiter tun sollte, aber ich muss nicht mehr diese Schmerztabletten mit den heftigen Nebenwirkungen nehmen. Das ist schon ein Fortschritt. Am kommenden Freitag muss ich in die onkologische Tagesklinik ins Krankenhaus in Flensburg. Dort soll ein Gespräch stattfinden. Die nötigen Spritzen lasse ich mir inzwischen von meinem Hausarzt geben und wenn die ärztliche Betreuung im Krankenhaus wieder so suboptimal ist wie die letzten beiden Male, werde ich mir eine andere onkologische Beratung und Betreuung suchen müssen. Zweimal mit offensichtlich überforderten Assistenzärzten unsinnige Gespräche führen, muss ich mir nicht geben.


Das Bild habe ich heute vor unserer Haustür aufgenommen.


Jutta macht es uns wieder schön.

Heute fand ich ein Gedicht, dass ich hier auf meiner Homepage veröffentliche, weil es meine gelegentlichen Stimmungen widerspiegelt und gleichzeitig ein Liebesgedicht ist, das ich gerne meiner Frau widmen will, die sich ständig um mich kümmert und immer für mich da ist und ohne die ich vielleicht auch schon mal aufgegeben hätte.

Wenn Morgen ohne mich beginnt,
und ich es nicht mehr sehen kann,
wenn die Sonne aufgeht und deine Augen
meinetwegen in Tränen schwimmen,
dann wünsche ich mir so sehr, dass du nie mehr
so weinst wie heute,
wenn du an die vielen Dinge denkst,
die wir nicht mehr sagen konnten.

Ich weiß, wie sehr du mich liebst,
so sehr, wie ich dich liebe,
und jedes Mal, wenn du an mich denkst,
weiß ich, dass du mich auch vermisst.
Doch wenn Morgen ohne mich beginnt,
versuche zu verstehen,
dass ein Engel kam, mich beim Namen rief,
mich bei der Hand nahm
und mir sagte, weit oben im Himmel
sei ein Platz für mich bereit.
Und dass ich alle zurücklassen müsse,
die ich so sehr liebte.

Doch als ich gerade gehen wollte,
rollte mir eine Träne über die Wange.
Mein ganzes Leben dachte ich,
ich wolle nicht sterben.
Ich hatte so viel, für das sich zu leben lohnte,
wollte noch so viel tun.
Es schien mir fast unmöglich,
dich zu verlassen.

Ich dachte an alle vergangenen Tage,
die guten und die schlechten.
An die Liebe, die wir teilten,
an den Spaß den wir hatten.
Wenn ich gestern aufleben lassen könnte,
für eine Weile nur,
würde ich Lebewohl sagen, dich küssen
und vielleicht lächeln sehen.

Doch dann wurde mir klar,
dass dies nie sein konnte.
Denn Leere und Erinnerungen
würde meinen Platz einnehmen.
Und beim Gedanken an die Dinge dieser Welt,
die ich vermissen würde, wenn morgen kommt,
dachte ich an dich
und Kummer erfüllte mein Herz.

Doch als ich durch die Pforten des Himmels trat,
fühlte ich mich zu Hause.
Als Gott von seinem goldenden Thron
herabschaute und mich anlächelte,
sagte er: „Dies ist die Ewigkeit
und alles, was ich dir versprochen habe.

Ab heute ist dein Leben auf der Erde Vergangenheit,
doch hier beginnt es neu.
Ich verspreche kein Morgen,
doch das Heute wird immer währen.
Und weil jeder Tag gleich ist,
gibt es keine Sehnsucht nach der Vergangenheit.

Du warst so treu,
so vertrauensvoll und so wahr.
Auch wenn du zu manchen Zeiten
Dinge getan hast, die du
wie du wusstest, nicht hättest tun sollen.
Doch dir wurde vergeben.
Und nun bist du endlich frei.
Warum also kommst du nicht, nimmst meine Hand
und teilst dein Leben mit mir?"

Wenn Morgen also ohne mich beginnt,
denk nicht, wir seien weit voneinander entfernt.
Denn immer, wenn du an mich denkst,
bin ich hier in deinem Herzen.

David M. Romano 1993

Über den Autor weiß ich nichts. Er ist - glaube ich - ziemlich unbekannt. Im Original heißt das Gedicht: When tomorrow starts without me.

Nun bin ich nicht wirklich ein gläubiger Mensch. Andererseits hat es auch etwas Schönes und Beruhigendes, wenn man glaubt, dass mit dem eigenen Tod das Leben nicht wirklich zu Ende ist, sondern dass es da etwas gibt, was wir vielleicht gar nicht begreifen können.

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