Schilfs Reiseseite

Berichte von Reisen

zu Wasser, zu Lande und in der Luft

Tagebuch

10. August 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 10.08.2016
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Heute war ich im Malteser-Krankenhaus in Flensburg. Diesmal ging es aber nicht um mich. Die Geschichte ist etwas kompliziert.

Seit vielen Jahren beobachte ich den Weltumsegler Michael Wnuk mit seiner Frau Nathalie Müller bei ihren seglerischen Abenteuern im Internet. Zunächst hatten die beiden die SY IRON LADY, anschließend die SY MARLIN. Seit 2000 sind die beiden unterwegs. Zwei Kinder hat Natalie unterwegs geboren: Maya in Malaysia und Lena in Südafrika. Zwischendurch machten beide Station in Deutschland. Dann ging es wieder los. Südamerika war das Ziel. Mit beiden Kindern verbrachten sie 2 Jahre auf See, bevor sie sich 2014 Flensburg als Heimathafen aussuchten. Zwei Bücher sind über die abenteuerlichen Reisen entstanden: "Meer als ein Traum: Unter Segeln ins Glück" und "Unter Segeln zu Hause: Eine Familie will Meer".

Ich will das kurz machen. Vor 2 Jahren waren Jutta und ich auf der "Gesine", einem Museumsschiff in Flensburg, und sahen einen Bildervortrag der beiden über ihre letzte Reise nach Südamerika. Michael ist dann bald wieder aufgebrochen, um mit der MARLIN in den unterschiedlichen Gewässern zu segeln. Dabei nahm er Chartergäste mit, die mit ihm z.B. nach Spitzbergen, auf die Kanaren und in die Karibik segelten. Nathalie hatte einen Job im besagten Malteser-Krankenhaus in Flensburg. Immer wieder sah ich mir den Blog von Michael Wnuk an und geriet dabei ins Träumen. Er hat das, was ich immer haben wollte: grenzenlose Freiheit. Segeln bis hinter den Horizont. Bei mir blieben es Träume. Michael fuhr mit Chartergästen auf die Azoren und ließ die MARLIN in Horta zurück um nach Flensburg zu fliegen. Schließlich hatte er auch noch eine Schulterfraktur, die er sich beim Kitesurfen zugezogen hatte. In Flensburg dann die niederschmetternde Diagnose: Akute myeloische Leukämie. Seitdem (Mitte Juli) liegt er auf der Beatmungsstation im Malteser-Krankenhaus in Flensburg. Über Facebook schrieb ich ihm, outete mich als Fan seiner Homepage und fragte an, ob ich ihn besuchen könne. Er willigte ein und so war ich heute bei ihm. Ich musste Schutzkleidung anziehen und durch eine Schleuse konnte ich in seine Zelle, wie er sein Zimmer nennt. Ich war sehr aufgeregt, denn er kannte mich ja gar nicht, während ich als Leser seiner Seite natürlich eine Beziehung zu ihm aufgebaut hatte. Im Vorfeld fragte mich Jutta, ob ich so stabil sei, dass ich mir diesen Besuch zutraue. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich das gemacht habe. Mir hat das den Menschen Michael Wnuk noch ein ganzes Stück näher gebracht, aber es hat auch dazu geführt, dass ich zumindest für heute an Stabilität gewonnen habe. Eigentlich wollten wir beide nicht über Krankheiten reden, sondern lieber über das Segeln, aber dann kam es doch so, dass ich - ermuntert durch seine Fragen - auch von meinen Krebserfahrungen berichtet habe. Ich empfand den Besuch als sehr emotional und bin froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Wir haben uns versprochen, in Kontakt zu bleiben. Michael hat Ideen, wie er nach überstandener Krankheit seine Segelzukunft gestalten will. Darin liegt soviel Optimismus - da kann ich mir noch etwas abschauen.

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