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Tagebuch

03. März 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 03.03.2016
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Vor gut einer Stunde sind wir aus dem Krankenhaus zurück. Warum wir heute wieder dort waren, wird in der folgenden Story erzählt:

Gestern Abend, nachdem ich meinen letzten Tagebucheintrag beendet hatte, rief Frau Prof. Basara aus der Onkologie bei uns an. Da ich gerade mit meiner Tochter telefonierte, nahm Jutta das Gespräch auf dem anderen Apparat an. Frau Basara berichtete aus der Tumorkonferenz und machte einen überaus fröhlichen Eindruck. Auch Juttas Stimme wurde immer fröhlicher und heller, so dass ich das Gespräch mit meiner Tochter schnell beendete. Prof. Basara hatte den pathologischen Befund aus dem UKE in Hamburg aus dem Jahre 2014 mit dem aktuellen Befund verglichen. Dabei konnte sie feststellen, dass es eine hundertprozentige Übereinstimmung zwischen dem damals operierten Ohrspeicheldrüsenkrebs und den jetzt aufgetretenen Knochenmetastasen gibt. Das bedeutet, dass beide Tumoren hormonabhängig sind und dass man mit einer Hormonblockade eine Remission (einen Stillstand) erreichen kann. Frau Basara bot an, uns das alles noch einmal persönlich zu erklären. Wir sollten heute um 09.30 Uhr nochmal ins Krankenhaus kommen.

"Wir - oder Sie - haben nichts zu verlieren!" Dieser Satz von Frau Prof. Basara hat sich mir eingeprägt. Sie schlug eine Behandlung mit einem Medikament vor, das bisher hauptsächlich erfolgreich zur Behandlung eines Prostatakarzinoms eingesetzt wurde und wird. "Sie haben keinen Prostatakrebs, aber wenn dieses Medikament erfolgreich die Effekte der Androgene aufhebt, dann sollten wir das versuchen." Sie verwies auf eine Studie aus den USA, in der die Gabe dieses Medikaments zu einer kompletten Remission in zwei Fällen von Ohrspeicheldrüsenkrebs geführt habe. Da diese Form der Therapie zumindest in Flensburg Premiere hat, kann ich mich durchaus als "Musterknabe" fühlen. "Versuchskaninchen" klingt mir zu negativ.

Jetzt gehen wir also drei Wege: Der erste ist die Bestrahlung, die einerseits Schmerzen beseitigen und andererseits auch zum Knochenaufbau führen soll. Der zweite ist die Einnahme dieses Medikaments, das das hormonabhängige Tumorwachstum hemmen soll. Der dritte Weg ist die monatliche Injektion eines Antikörpers, die den Knochenabbau stoppen soll. Unterstützend bekomme ich noch ein Medikament, um die Knochen zu stärken. Frau Basara klang sehr optimistisch. Als Jutta ihr sagte, dass die von ihr vorgeschlagene Therapie sie sehr glücklich gemacht habe, antwortete sie: "Bestimmt nicht glücklicher als mich."

Also: Packen wir es an!

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