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Tagebuch

02. Juni 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 02.06.2016
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Meine Schwägerin Vera fragte mich gestern, ob ich ein neues Hobby für mich entdeckt habe. Sie bezog sich dabei auf meine Übersetzungsversuche. Ja, ich muss zugeben, es macht viel Spaß, sich mit der plattdeutschen Sprache auseinanderzusetzen. Auch wenn ich ja nun mehr als ein halbes Leben in Schleswig-Holstein zu Hause bin, kann ich plattdeutsch nicht sprechen und manches auch nicht verstehen. Deshalb muss ich immer besonders hinhören und einiges auch nachschlagen.

Ich will nun auch nicht dauernd "Dragseth" übersetzen, aber ich finde, die Lieder sind so schön, dass man sie immer wieder hören kann. Man kann die CDs des Trios auch käuflich erwerben. Die Adresse: Atelier Knortz, Birgit und Manuel Knortz, Westerdeich 9, 25889 Witzwort oder per Email: info(at)atelier-knortz(dot)de. Die CD "Stää un Stünn" kostet z.B. 16 € + 3 € Versand. Wer also Interesse hat...

Heute Abend waren Jutta und ich im Café Kommodig in Steinbergkirche. Dort ist eine Band aufgetreten - Friedrich jr. - mit deutschen Chansons und französischen Walzern. Instrumental ganz gut, aber der Sänger konnte nicht singen. So etwas soll es geben. Es ist das erste Mal, dass wir enttäuscht nach Hause gefahren sind.

Vielleicht sind wir auch zu sehr von Dragseth verwöhnt. Eins habe ich dann doch noch: Es heißt Nachtleed (Nachtlied). Kalle Johannsen von Dragseth hat das Lied für seine Mutter geschrieben, die es vor ihrem Tod auch noch gehört hat, was ihn sehr froh macht.

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) hat ein Gedicht "An meine Mutter" geschrieben. Das passt auch zu diesem Lied:

An meine Mutter

So gern hätt' ich ein schönes Lied gemacht,
von deiner Liebe, deiner treuen Weise,
die Gabe, die für andre immer wacht,
hätt' ich so gern geweckt zu deinem Preise.

Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
und wie ich auch die Reime mochte stellen,
des Herzens Fluten rollten drüber her,
zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
vom einfach ungeschmücktem Wort getragen,
und meine ganze Seele nimm darin,
wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.

Ich finde, dass Kalle Johannsen mit seinem Lied seiner Mutter noch viel sagen konnte.

Nachtleed

So lange ist das schon her. Ich lag müde und matt
im Kinderbett in schweißnassen Decken.
Du saßest bei mir und deine weiche Hand
streichelte immerzu meine Hände.
Der Mond lachte fröhlich als du mir sangst
dein Lied: "Nun schlaf, mein Junge.
Was quälst du dich? Nun schlaf, mein Junge."

Nun bin ich lange schon groß und mein Bart wurde grau
und ich hab mich durchs Leben geschlagen.
Meine eigenen Kinder spielten um mich herum
und riefen mich zurück in meine Kindertage.
In den Abendstunden sang ich oft
dein Lied: "Nun schlaf, mein Junge.
Was quälst du dich? Nun schlaf, mein Junge."

Bei Nacht, wenn es ruhig ist um mich herum
und die Angst mich quält und mich wachhält,
dann ist mir, als fühlte ich deine weiche Hand
die mir um die Augen, den Händen entlang streichelt.
Dann hör ich die Stimme, die damals sang
dein Lied: "Nun schlaf, mein Junge.
Was quälst du dich? Nun schlaf, mein Junge."

Wenn du es hören willst, musst du wieder hier klicken.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine gute Nacht.

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