Schilfs Reiseseite

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Tagebuch

01. Juni 2016

Geschrieben von Uli Schilf am 31.05.2016
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Es ist jetzt kurz nach Mitternacht und ich kann noch nicht schlafen. Gestern (das heißt vor wenigen Stunden) war ich als Zuhörer, Bürger, Einwohner auf einer Sitzung unserer Gemeindevertretung. Eigentlich müsste diese Veranstaltung vergnügungssteuerpflichtig sein. Ein Kindergarten ist spannender! Trotzdem hat mich das so aufgewühlt, dass ich noch nicht schlafen kann. Und so habe ich beschlossen, dass ich mich ein wenig mit dem wunderbaren Konzert von "Dragseth-Trio" beschäftige.

Jens Jesse - er ist der Jüngste in diesem Trio, er wird im nächsten Jahr 60 - hat ein wunderschönes Gedicht über seinen Heimatort in Dithmarschen geschrieben. Das Lied heißt "Ostermoor" und so hieß auch das Dorf am Nord-Ostsee-Kanal bei Brunsbüttel. Bis 1970 war es ein eigenständiges Dorf, wurde dann als Ortsteil von Brunsbüttel eingemeindet, mit Chemiewerken überbaut und quasi von der Lankarte getilgt. Jens Jesse hat das so beschrieben:

"Aufgewachsen mit dem Geruch von öligem Brackwasser in der Nase und dem rhythmischen Klang von Schiffsdieseln im Ohr. Am Nord-Ostsee-Kanal. In Ostermoor. In meinem Kindheitsparadies mit Licht und Schatten. Auch wenn es dich schon lange nicht mehr gibt - in meinem inneren Fotoalbum trage ich dich, wenn auch mit der Zeit etwas vergilbt, stets mit mir herum. Allens vergeiht - man de Erinnerung blifft..." Jesses Vater war Kapitän auf hoher See und so war der Sohn recht früh mit der Seefahrt verbunden. Die Melodie stammt von James Taylors "Copperline". Kalle Johannsen hat an diesem Song nicht nur stimmlich, sondern auch instrumental mitgewirkt.

Nach meiner Übersetzungsleistung von vorgestern und den vielen positiven Reaktionen bin ich auf den Geschmack gekommen. Ich werde "Ostermoor" hochladen und wieder ins Hochdeutsche übersetzen.

Jetzt ist es 00:30 Uhr, ich bin immer noch nicht müde und versuche mal die Übersetzung:

Ostermoor

Altes Dorf am Kanal, ich denk an dich so manches Mal.
Du gehörst zu mir wie mein Muttermal, altes Ostermoor.

Schiffsdiesel tuckern vorbei, das riecht nach Öl, der Fährmann winkt mir zu.
Vater ist auf See, ich habe auf dich gewartet, damals in Ostermoor.

Das alte Dorf gibt es lange nicht mehr, grelle Lichter, wo du mal gewesen bist,
Fabriken, Straßen, schwarz von Teer, da war mal Ostermoor.

Vergangen, vergessen, lange vorbei! Aber ich fühle, du bist noch in mir.
Ich gehe auf alten Pfaden, warm ist mein Herz für dich, wie damals in Ostermoor.

Auf dem Roller die Straßen entlang. Durch den alten Bunker gekrochen,
die Mutter war bange und hat viele Tränen vergossen, damals in Ostermoor.

Wenn du das Lied hören willst und gleichzeitig diese Übersetzung lesen willst, dann klicke hier.

Jetzt ist es 01:15 Uhr. Die Übersetzung ist fertig, ich höre mir das noch einmal an und bin ganz zufrieden.

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